nachGang.37
An der Arbeit zu Nexus III interessiert mich die
Ambivalenz, die die Festung Ehrenbreitstein ausstrahlt, zwischen Militär und
Kultur mit Blick auf das Preußentum. Bis heute ist das Wirken von Preußen in
vielen Bereichen zum Teil auch nur versteckt zu finden. Augenscheinlich
sichtbar wird z. B. noch heute die Pickelhaube in der Gebärdensprache als
Zeichen für „deutsch / Deutschland“.
Auf der einen Seite ist da ein zentralisierter Verwaltungsapparat und eine der größten Streitmächte Europas, deren Einfluss zu verdanken ist, dass die sogenannten preußischen Tugenden wie Ordnung, Disziplin, Gehorsam, Pünktlichkeit, Fleiß, Pflichtbewusstsein, Sparsamkeit etc. allgemein Beachtung fanden und gesellschaftlich verankert wurden. Auf der anderen Seite, mit der Einrichtung eines der ersten Kultusministerien Europas, war Preußen geprägt von einer hohen Kulturstaatlichkeit, von Weltoffenheit und Toleranz gerade den Religionen gegenüber. Bildung wurde gefördert.
Mir stellt sich die Frage, welchen Raum diese Tugenden noch heute einnehmen – was hat sich verfestigt, was schwingt mit, was wurde aufgebrochen? Müssen sich die preußischen Tugenden verstecken oder haben sie das Zeug zu überzeugen? Sind Bescheidenheit, Redlichkeit, Geradlinigkeit in Zeiten eines zügellosen Konsumverhaltens nicht zunehmend zurückzuerobern? Wo ist der Schöngeist eines „Alten Fritz“ verlorengegangen? Oder was macht ein Verwaltungsapparat mit der Menschlichkeit?Die Arbeit ist im Innenbereich zu sehen, zerlegt in einzelne Teile, fast schon versteckt in schachtähnlichen Nischen; man muss sich von Ort zu Ort bewegen. Man erfährt bruchstückhaft eine Suche nach dem Wesentlichen. Es gibt ein verbindendes Element, jedoch keinen Blick auf das Ganze. Der „Preußische Telegraphencode“, der Berlin und Koblenz in den Jahren 1832 bis 1849 verbunden hat, ist mir in seiner abstrakten und reduzierten Form ein treffendes Mittel, um die einzelnen Nischen in Abfolge des Alphabetes zu verbinden. Zentrales Thema und Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit ist die Frage nach Raum, Licht, Zeit, Grenze und deren Auflösung. Unsere Wahrnehmung ist begrenzt, der Blick fängt nur einen Teil ein, wandert umher, will (oder sollte) „um Ecken denken“, fokussiert, lässt los und verliert sich an den Rändern. Das Dazwischen interessiert mich.
Auf der einen Seite ist da ein zentralisierter Verwaltungsapparat und eine der größten Streitmächte Europas, deren Einfluss zu verdanken ist, dass die sogenannten preußischen Tugenden wie Ordnung, Disziplin, Gehorsam, Pünktlichkeit, Fleiß, Pflichtbewusstsein, Sparsamkeit etc. allgemein Beachtung fanden und gesellschaftlich verankert wurden. Auf der anderen Seite, mit der Einrichtung eines der ersten Kultusministerien Europas, war Preußen geprägt von einer hohen Kulturstaatlichkeit, von Weltoffenheit und Toleranz gerade den Religionen gegenüber. Bildung wurde gefördert.
Mir stellt sich die Frage, welchen Raum diese Tugenden noch heute einnehmen – was hat sich verfestigt, was schwingt mit, was wurde aufgebrochen? Müssen sich die preußischen Tugenden verstecken oder haben sie das Zeug zu überzeugen? Sind Bescheidenheit, Redlichkeit, Geradlinigkeit in Zeiten eines zügellosen Konsumverhaltens nicht zunehmend zurückzuerobern? Wo ist der Schöngeist eines „Alten Fritz“ verlorengegangen? Oder was macht ein Verwaltungsapparat mit der Menschlichkeit?Die Arbeit ist im Innenbereich zu sehen, zerlegt in einzelne Teile, fast schon versteckt in schachtähnlichen Nischen; man muss sich von Ort zu Ort bewegen. Man erfährt bruchstückhaft eine Suche nach dem Wesentlichen. Es gibt ein verbindendes Element, jedoch keinen Blick auf das Ganze. Der „Preußische Telegraphencode“, der Berlin und Koblenz in den Jahren 1832 bis 1849 verbunden hat, ist mir in seiner abstrakten und reduzierten Form ein treffendes Mittel, um die einzelnen Nischen in Abfolge des Alphabetes zu verbinden. Zentrales Thema und Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit ist die Frage nach Raum, Licht, Zeit, Grenze und deren Auflösung. Unsere Wahrnehmung ist begrenzt, der Blick fängt nur einen Teil ein, wandert umher, will (oder sollte) „um Ecken denken“, fokussiert, lässt los und verliert sich an den Rändern. Das Dazwischen interessiert mich.
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„Wegbeschreibung“
Achtung! am Anfang war das Wort aufklärerisch
steht die Idee
Breitbeinig
im Raum und wälzt sich hinweg über das zerfallene
Chaos
im Einzelnen behauptet sich der
Drang
zu binden zu bilden
Erziehen ist alles
Erobert
sich das Feld der Verdrossenheit
Fahnenschwenkend
bricht der Alte Fritz fesch tätschelnd
Größenwahnsinnig
Gemüter gemach des gewohnten Ganges
Hofiert
der gute Soldat der Tugend im guten Glauben
Irrt
umher auf Kosten des Fußvolks mit Füßen getreten – die
Jahrmarktspreise
preisen an was kostet die
Kunst
gleichsam hofiert – pünktlich noch einen Knicks
und
Lob
und Tadel versprühen keine Blöße im Schoße der
Mutter
marschiert aufrecht mitnichten dennoch aufrichtig
Nimmermehr
fleißig am Herd der Herrschaft
Ordnung
muss sein – Bescheidenheit geht anders.
Prunkstück
ist’s die Pickelhaube? oder ist's
Quer
gedacht der Pimmelkopp? politisch nicht korrekt am
Rande
der Gesellschaft fallen wir kopflos
Sparsam
gestutzt ins Spärliche _ kauert die
Toleranz
als in die Ecke Getriebene
Ummauert
jedweden Strohhalm umklammernd
Verzweifelt
die Verführten treibend zu
Weltoffenheit
und bei Gott nicht willenlos zu
Xenophobie
zerfällt im Gerechtigkeitssinn fällt mir zu
YouTube
nichts mehr ein als
Zügellose
Eitelkeit zerfleischt sich selbst.
.
Punktum Zurückhaltung hilft nicht weiter geht's mit
0 wie
Nullnummer... rechnet sich nicht in die Zukunft.
1 wie
einzigartig ist jeder von uns!
2 wie
zweisam, aber auch allein ist nicht jeder einsam.
3 wie
Dreifaltigkeit ist nicht die einzige Wahrheit.
4 wie
viergeteilt können wir auch nicht alles meistern.
5 wie
Fünfe lass mal grade sein.
6 wie
Sex lässt sich nicht bewerten.
7 wie
sieben auf einen Streich
8 wie
achtsam ist noch nicht dein Tun.
9 wie
alle neune fallen wir irgendwann alle um.
work in progress:
Violetta
Richard
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Atelier |
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violetta maria richard |
violetta maria richard l tannenbergstrasse 24 l 56564
neuwied l +49 2631 4512044 l +49 176 61054139 l info@violetta-richard.de l www.violetta-richard.de